Focus online im Gespräch mit Peter Schwenk

12.04.22
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Über Innovationen und digitalen Wandel

Der deutsche Mittelstand leidet unter Lieferengpässen und Inflation. FOCUS Online sprach darüber mit Peter Schwenk, Chef der Altendorf Group, einem Hersteller von sichereren Formatkreissägen. Schwenk erläutert, wie der digitale Wandel aussieht und warum er zuversichtlich nach vorne schaut.

FOCUS Online: Herr Schwenk, die Altendorf Group ist ein typischer deutscher Mittelständler, der an Gewerbekunden wie Schreiner, Möbelbauer oder den Zimmermann verkauft. Wie haben Sie die jüngsten Krisen wie Corona oder den Ukraine-Krieg wirtschaftlich verkraftet?

Peter Schwenk: Uns begegnen seit 2020 täglich neue Herausforderungen. Aber wir haben das klassisch gelöst und beispielsweise in Corona-Zeiten unsere Bestände erhöht, um Engpässe abzufedern.

 

Sind Sie von Lieferkettenproblemen und Materialengpässen aktuell betroffen?

Schwenk: Im Sommer des vergangenen Jahres war der Beschaffungsmarkt sehr ansgespannt, aber das haben wir anhand einer veränderten Lieferantenstruktur und maximaler Flexibilität in den Griff bekommen.

 

Ihr Kerngeschäft sind Format-Kreissägen und Kantenanleim-Maschinen. Das sind keine Produkte für den Heimwerker.

Schwenk: Nein, das sind Profi-Maschinen. Dementsprechend verfügen wir auch über eine breite weltweite Kundenstruktur, zu denen wir das Holz-Handwerk und auch Dax-Konzerne wie Siemens oder BMW zählen.

 

Wie stehen Sie wirtschaftlich da? Zufriedenstellend, weil der Trend der Bürger auch zur Verschönerung des eigenen Heims angehalten hat und in diese Bereiche investiert wurde?

Schwenk: Auf jeden Fall. Wir hatten 2021 einen weit überdurchschnittlichen Auftragseingang und wachsen stärker als das Marktsegment. Der Markt ist positiv, wir haben alle gut zu tun. Das zeichnet sich auch im ersten Quartal 2022 ab. Positiv ist auch, dass wir kaum Zahlungsausfälle hatten.

 

Daran hat auch der Ukraine-Krieg nichts geändert?

Schwenk: Bis Februar waren wir uneingeschränkt zuversichtlich. Durch diesen unsäglichen Krieg haben wir natürlich unser Geschäft analysiert, aber wir sehen keine Probleme bei den Absatzmärkten oder gar Einbrüche.

 

Damit befinden Sie sich in einer komfortablen Situation.

Schwenk: Wir können uns nicht beschweren, aber das läuft nicht von alleine. Es ist ein täglicher Kraftakt, nicht nur unser Einkauf ist gut beschäftigt.

 

Wie sehr sind Sie von der Inflation betroffen?

Schwenk: Die Vorprodukte werden teurer, daher haben wir – wie unsere Mitbewerber auch – eine moderate Preisanpassung von fünf bis sieben Prozent vorgenommen.

 

Ihr Vorzeigeprodukt bewerben Sie als schnellsten Schutzengel der Welt – das ist ein netter Slogan. Wie füllen Sie ihn mit Leben?

Schwenk: Unsere Hand Guard ist eine Formatkreissäge mit zwei Kameras. Und sie reagiert so schnell, dass dadurch Unfälle vermieden werden können.

 

Die Hand Guard soll die Hände schützen. Wie viele Unfälle gibt es denn pro Jahr mit einer, ich nenne es mal, einer normalen Profi-Säge?

Schwenk: Meldepflichtig sind es in Deutschland rund 120 Unfälle im Monat, etwa 1500 im Jahr. Und die Hälfte davon führt zu einer permanenten Invalidität, sie können den Beruf nicht mehr ausüben. Globale Zahlen gibt es nicht, aber das sind zigtausende Menschen, die jährlich schwere Unfälle erleiden.

 

Wie kam es zu der Entwicklung mit den Kameras? Der Start der Serie war ja 2021.

Schwenk: Der eigentliche Serienstart ist im April 2022. Aber wir haben im vergangenen Jahr mit 50 Kunden das Sicherheitssystem im Probebetrieb getestet und entsprechend weiterentwickelt, sowohl soft- als auch hardwareseitig.

 

Was ist das Besondere an dieser Säge?

Schwenk: Das kamerabasierte System mit den zwei Kameras, das divers und redundant ist. Wenn eine Kamera ausfällt, funktioniert die andere weiterhin. Wir haben vor drei Jahren mit dieser Entwicklung begonnen und sind hier Pionier, wenn es darum geht, eine Gefahrensituation rechtzeitig zu erkennen. Dabei hilft uns die KI, also die künstliche Intelligenz.

 

Drei Jahre klingt nach einer langen Zeit.

Schwenk: Voruntersuchung, Konzeptphase, Serienreife – das nimmt alles Zeit in Anspruch. Auch die Software zu entwickeln, das geht nicht von heute auf morgen. Und dabei haben wir sogar noch einen exklusiven Kooperationsvertrag mit einem europäischen Spezialisten für Handerkennungssoftware abgeschlossen, sonst wäre das nicht so schnell gegangen. Sie müssen sich vorstellen, dass die KI auch erkennt, wenn der Schreiner einen geeigneten Handschuh trägt. Inzwischen haben wir rund eine halbe Million Bilddaten gespeichert, alles zum Schutz vor Verletzungen.

 

Für dieses System haben Sie gerade auch eine Auszeichnung erhalten.

Schwenk:  Das Fraunhofer IPA hat in einer technischen Studie unterschiedliche Sicherheitssysteme an Formatkreissägen analysiert und kommt darin zu dem Ergebnis, dass aktuell am Markt ausschließlich kamerabasierte Systeme die Hand des Werkers zuverlässig vor Verletzungen schützen. Wir stellen somit fest, dass nur Hand Guard als aktuell einziges kamerabasiertes System im Markt einen effektiven Schutz vor Handverletzungen bietet.
Darüber hinaus wurde Hand Guard in 2019 mit dem OWL-Innovationspreis Marktvisionen und Ende 2021 mit dem Deutschen Arbeitsschutzpreis ausgezeichnet.

 

Der deutsche Mittelstand ist dafür bekannt, dass er sehr innovativ ist – eine Voraussetzung in einem Hochlohnumfeld wie in Deutschland. Wie fördern Sie im Haus die Innovationskraft?

Schwenk: Wir haben etwa 20 Damen und Herren, die sich mit der Entwicklung der Produkte beschäftigen und wir tauschen uns regelmäßig aus. Das kann über Innovation Days passieren oder regelmäßiges Brainstorming. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auch auf Technologiepartnerschaften.

 

Was planen Sie für die Zukunft?

Schwenk: Bis Ende 2022 wollen wir die Hand Guard Version 2.0 auf dem Markt haben und eine ganze Hand-Guard-Familie entwickeln. Neben Sicherheit ist Digitalisierung der zweite Schwerpunkt unserer Entwicklungsarbeit – wir investieren stark in softwarebasierte Innovationen, um unseren Kunden das Leben leichter zu machen. Stichwort „Easy to use“. Denn der Schreiner sitzt nicht vor dem Laptop, sondern nimmt eher das Smartphone. Und da hilft ihm unsere neue Service-App bei der Bestellung von Ersatzteilen usw.

 

Sie denken also vom Kunden her?

Schwenk: Wir denken immer vom Markt her, sprechen mit den Kunden, tauschen uns aus und erfahren, was die Bedürfnisse sind. Und gerade das Thema Digitalisierung wird immer wichtiger.

 

Was planen Sie noch?

Schwenk: Ich kann nicht alles verraten, aber es handelt sich neben Innovationen vor allem um Softwarepakete. Für unsere Kunden ist es sinnvoll, wenn sie per Sprachsteuerung eine Kantenanleim-Maschine bedienen können. Industrial Internet of things – auch der Mittelstand von heute kommt ohne Digitalisierung nicht mehr aus.

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